30.9. - wichtiger Stichtag für Rechtsformänderungen
Welche Rechtsform auch immer die richtige für Ihr Unternehmen ist - beim Wechsel der
Rechtsform ist der 30.9. des betreffenden Jahres jedenfalls ein wichtiger Stichtag, bis zu
dem die Verträge und Meldungen unterzeichnet sein sollten.
Für den Wechsel von einer GmbH in ein Einzelunternehmen bzw. in eine Personengesellschaft
sprechen etwa die Nutzung der einkommensteuerlich günstigeren Progressionsstufen bei
geringen Gewinnen oder die 100%ige Verlustverwertung auf Ebene der natürlichen Person (ab
der Veranlagung 2014). Für die Führung des Unternehmens als GmbH spricht dagegen die
Begrenzung der Haftung sowie die Thesaurierungsmöglichkeit von Gewinnen, damit etwa Mittel
zur Tilgung von Krediten zur Verfügung stehen.
Umgründungsstichtag bis zu 9 Monate in der Vergangenheit
Im Gegensatz zum Zivilrecht, das die Vermögensübertragung erst mit dem Zeitpunkt der
Eintragung der Umgründung im Firmenbuch bzw. zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des
Vertrages eintreten lässt, kann sich der ertragsteuerlich maßgebliche Stichtag auch auf einen
Zeitpunkt in der Vergangenheit beziehen. Die Umgründung kann auf einen bis zu 9 Monate in der
Vergangenheit liegenden Umgründungsstichtag rückbezogen werden. Diese ertragsteuerliche
Rückwirkung bewirkt, dass der Steuerpflichtige so gestellt wird, als wäre das Vermögen bereits
zum Zeitpunkt des Umgründungsstichtages auf den neuen Rechtsträger übergegangen –
unabhängig vom zivilrechtlichen Übergang – womit von da an jene ertragsteuerlichen
Verhältnisse gelten, die beim neuen zukünftigen Rechtsträger Anwendung finden.
Verträge und Meldungen bis spätestens 30.9. unterzeichnen
Grundsätzlich ist jeder beliebige Tag für eine Umgründung möglich. Eine der Voraussetzungen
für die Inanspruchnahme dieser Rückwirkungsfiktion ist jedoch, dass zum Umgründungsstichtag
eine Schlussbilanz sowie eine darauf basierende Umgründungsbilanz, in der das im Zuge der
Umgründung zu übertragende Vermögen ausgewiesen wird, vorliegt.
Damit für die Erstellung der Schlussbilanz jedoch keine zusätzlichen Kosten anfallen, kann als
Ausgangsbasis der Jahresabschluss zum Wirtschaftsjahresende, in der Regel der 31.12.,
herangezogen werden. Zwecks Einhaltung der 9-monatigen Rückwirkungsfrist ist es daher
notwendig, etwa bei einen Umgründungsstichtag zum 31.12.2013, dass sämtliche Verträge und
Meldungen bis spätestens 30.9.2014 unterzeichnet werden bzw. erfolgen. Daher ist der 30.9
ein wichtiger Stichtag für Umgründungen.
Beispiel
Die Bauer GmbH hat Verlustvorträge in Höhe von EUR 100.000,00 aus den Jahren 2008 – 2011. Im
Jahr 2014 beschließt der 100%ige Gesellschafter – Herr Bauer –, die GmbH in ein
Einzelunternehmen zum Stichtag 31.12.2013 umzuwandeln. Die Verträge und Meldungen
erfolgen noch bis zum 30.9.2014. Somit kann der nunmehrige Einzelunternehmer – Herr Bauer
– die Verlustvorträge bereits im Jahr 2014 nutzen und mit anderen Einkünften gegenverrechnen.