Begutachtungsentwurf Teuerungs-Entlastungspaket (Teil II)

Um die Bevölkerung angesichts der massiven Teuerungswelle zu unterstützen, hat die Bundesregierung Entlastungspakete angekündigt. Das erste Teuerungs-Entlastungspaket (Teil I) wurde bereits im Parlament beschlossen (siehe „Geplante Maßnahmen gegen die Teuerung“). Am 14. September 2022 wurde nun die Regierungsvorlage zu Teil II des Teuerungs-Entlastungspakets veröffentlicht.

Die veröffentlichten Maßnahmen konzentrieren sich insbesondere auf die Abschaffung der kalten Progression. Doch was bedeuten diese Maßnahmen eigentlich für uns?

Als „kalte Progression“ wird die Erhöhung der Steuerlast bezeichnet, welche durch die steigende Inflation ohne korrespondierende Anpassung der progressiven Steuertarife, ausgelöst wird. Wird das Bruttoeinkommen an die Inflation angepasst mit dem Ziel das reale Bruttoeinkommen konstant zu halten, erhöht sich gleichzeitig die Steuerbelastung. Durch die vorgeschlagene Anpassung des Steuersystems, wonach die nominalen Beträge wie Einkommensgrenzen, Freibeträge und Absetzbeträge fortlaufend an die Inflation angepasst werden, soll der inflationsbedingten Steuermehrbelastung entgegengewirkt werden.

Die Einkommensgrenzen für 2023 sollen wie folgt angepasst werden:

2022
 
Einkommen
bis
Tarif
0
   11.000,00
    0%
über 11.000,00 
  18.000,00
   20%
über 18.000,00 
31.000,00
   30%
über 31.000,00 
60.000,00
   40%
über 60.000,00 
90.000,00
   48%
über 90.000,00 
1.000.000,00
   50%
über 1.000.000,00 
     55%


2023
 
Einkommen
bis
Tarif
 0 
 11.693,00    0%
 über 11.693,00 
 19.134,00    20%
 über 19.134,00 
 32.075,00   30%
 über 32.075,00 
 62.080,00  40%
 über 62.080,00 
 93.120,00  48%
 über 93.120,00 
 1.000.000,00  50%
 über 1.000.000,00 
   55%

Für die Folgejahre sind weitere Anpassungen in Abhängigkeit von der Höhe der Inflation vorgesehen.

Auch die Pendlerpauschale und Absetzbeträge, d.h. der Alleinverdiener-, Alleinerzieher-, Unterhalts-, Verkehrs- und Pensionistenabsetzbetrag werden samt zugehöriger Einschleifgrenzen und der SV-Rückerstattung an die Inflation angeglichen. Sozial- und Familienleistungen wie u.a. Kranken-, Reha-, Umschulungsgeld, Studienbeihilfe, Familienbeihilfe, Mehrkindzuschlag und Kinderabsetzbetrag werden entsprechend erhöht.

Durch die Abschaffung der kalten Progression erhält beispielsweise eine Pensionistin mit einer Durchschnitts-Pension von EUR 1.582 brutto/Monat im Jahr 2023 netto 371 Euro mehr. Ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittseinkommen von EUR 3.171 brutto/Monat erhält im Jahr 2023 netto EUR 391 mehr.

Weitere entlastende Maßnahmen, die ebenfalls von der Bundesregierung vorgesehen sind, beinhalten:
  • die Steuerfreiheit von Zuschüssen des Arbeitgebers bis EUR 200,00 für die Nutzung CO2-emissionsfreier Fahrzeuge im Rahmen von Carsharing-Plattformen für nichtberuflich veranlasste Fahrten und
  • die Senkung des Dienstgeberbeitrags von derzeit 3,9% auf 3,7% unter der Voraussetzung, dass die Absenkung in einer „lohngestaltenden Vorschrift“ vorgesehen ist (z.B Kollektivvertrag oder in einer formlosen innerbetrieblichen Regelung. Tipp: Aufnahme eines Textes in den Lohn- bzw. Gehaltsausweisen wie beispielsweise „Absenkung des DB zum FLAF von 3,9% auf 3,7% ab 1.1.2023“).
Zusammenfassend kann man sagen, dass jedem von uns ein bisschen mehr im Börserl übrig bleiben soll. Also mehr Netto vom Brutto!
 
Verfasst am 23.9.2022
Share
 

Weitere CONTAX News

Energiekostenzuschuss | Strompreiskosten-Ausgleich

Der voraussichtliche Fördertopf soll EUR 450 Mio betragen und Unternehmen zustehen, bei denen sich die Energie- und Strombeschaffungskosten auf mindestens 3,0% des „Produktionswertes“ (~Rohertrag) ...